NKS-Wettkampf, Gooimeer, 03.10.2010

Am 03.10.2010 stand unser zweiter NKS-Wettkampf am Gooimeer auf dem Programm. Ausgangspunkt für uns war analog zur Lek, das wir keinerlei Gewässerkenntnis hatten. Ich war zwar im Sommer einmal mit Stiffi und Helmut dort, aber wir fischten damals nicht im Wettkampfparkur. Da Gregor das Gewässer auch noch nicht beangelt hatte, waren wir wieder einmal vollkommen unbeleckt. Sämtliche Informationen, die wir ansonsten hierzu noch im Vorfeld generieren konnten, stellten sich für den Wettkampftag als „nicht brauchbar“ heraus. Hierzu aber mehr unter dem Punkt „Nachbetrachtung“, der in diesem Artikel noch folgt.

  

Vorbereitung

Erst mal haben wir uns am Samstag vor dem Wettkampf im Hafen getroffen, um das Boot raus zu holen. Da wir uns ja jetzt vermehrt andere Gewässer anschauen wollen, werden wir es jetzt auch nicht mehr über den Winter dahin zurück bringen. Daher haben wir auch gleichzeitig den Liegeplatz geräumt, von Hub dem Hafenmeister verabschiedet und uns mit ihm auf einen Sommerliegeplatz 2011 verständigt.

Das ging auch alles ganz problemlos, aber irgendwie ist es schon ein komisches Gefühl für mich, für die kommenden Monate keine feste Ausgangsplattform zu haben.

Auf der Fahrt zurück zum Trailerstellplatz, wo das Boot vor dem Wettkampf zwischengeparkt werden sollte, stellte Gregor ein Problem mit dem Trailer fest. Da es besser war und um jegliches Risiko auszuschließen, entschied er sich dafür, lieber nochmal einen Fachmann darüber schauen zu lassen. Gesagt, getan, nur leider sitzt die betreffende Werkstatt in Siegburg. Gregor ist somit direkt weiter zur Werkstatt gefahren. Diese gab nach zwei Stunden endgültig grünes Licht und somit stand dem Wettkampf am Gooimeer fahrzeugtechnisch nichts mehr im Wege. Gregor trudelte um ca. 21 Uhr zu Hause ein und folglich blieb ihm keine Zeit mehr, um noch Vorbereitungen zu treffen.

Mir ging es ähnlich! Die Woche vor dem Wettkampf war durch eine Betriebsprüfung eines Mandanten geprägt, die mir alles abverlangte und insbesondere fast meine gesamte Freizeit absaugte. Zu Hause war man darüber hinaus auch sehr erbost, da ich mich anstelle eines Schulfestes meiner großen Tochter für das Angelabenteuer entschieden hatte. Die Stimmung war entsprechend mies und forderte für den restlichen Samstag meine familiäre Präsenz. An Vorbereitungsmaßnahmen war somit auch bei mir nicht zu denken.

– Treffpunkt war um 3.30 Uhr am Trailerstellplatz. Um 1.45 Uhr bin ich aufgestanden, obwohl man das nicht wirklich so nennen kann, da ich vorher nicht geschlafen habe. Schnell noch was gefrühstückt und los ging es.

–  Dann bin ich um 2.15 Uhr ins Büro gefahren, weil ich dort eine Kühltruhe stehen hatte, die wir für die Köderfische brauchten.

– Es ging weiter an die Tankstelle, weil ich noch Verpflegung für den Tag einkaufen wollte und Crushed Ice für die Kühltruhe/Köfis brauchte.

– Anschließend ging es zum Treffpunkt.

Es waren ca. 250 KM zum Gooimeer und wir machten uns, nachdem wir umgeladen hatten, auf den Weg dorthin.

Ankunft

Kurz vor 7 Uhr kamen wir dort an und fanden schon recht hektisches Treiben vor. Es war noch stockdüster und wieder war da diese ganz eigene Atmosphäre, die man kaum in Worte fassen kann. Die Boote im Wasser kämpften gegen die Wellen an, da ein frischer Wind blies. Überall war die Bootsbeleuchtung zu sehen, die die Teilnehmer wegen der schlechten Sicht anwerfen mussten. Ein tolles Motiv, welches wir wegen der anstehenden Arbeitsgänge leider nicht fototechnisch festhalten konnten. Wir stellten uns somit erstmal in die Reihe der Slippkandidaten und haben anschließend das Boot fertig zum wassern gemacht.

Vor dem ersten Wasserkontakt kam erstmal ein NKS-Organisator zu mir und kontrollierte, dass wir keine lebenden Köderfische an Bord hatten. Nachdem er sich vom ordnungsgemäßen Zustand der Köfis überzeugt hat, konnten wir weiter machen. Lebende Köderfische sind bei der NKS nicht erlaubt. Ein Zuwiderhandeln führt zur sofortigen Disqualifikation.

Beim Slippen dann das erste Missgeschick. Durch eine neu verbaute Kielrollenerhöhung blieb das Boot beim abslippen mit der vorderen Öse an der letzten Kielrolle hängen und wollte nicht vom Trailer. Gregor gab dem Boot noch den entscheidenen Stoß mit dem Fuß, der dieses zwar freisetzte, aber leider bezahlte er diese Aktion mit nassen Füssen, da er vom Laufbrett des Trailers rutschte.

Wir verbuchen das jetzt unter den Punkt „Erfahrungswerte“ und werden prophylaktisch in Zukunft immer einen Satz trockener Klamotten mitnehmen.
Gregor meldete uns anschließend noch zum Wettkampf an und ich kreiste in der Zeit auf ihn wartend vor der Slippe meine Runden bis es endlich losgehen konnte.

Vor dem Anpfiff

Die Wettkampfteilnehmer sammelten sich. Boot für Boot reihte sich ein und – zwischen der Anspannung ob der ganzen hektischen Momente der letzten Stunden- wurde es für ein paar Minuten etwas ruhiger.

Der Wind peitschte das Wasser auf und die eintrudelnden Boote taten ihr übriges. Ich überreichte das Steuer an Gregor um noch zwei Ruten, mit Schnurbruch vom letzten Einsatz, fertig zu machen. Dann noch das Köderspektrum festgelegt, den einzelnen Boxen der Meiho 8050 entnommen und noch die eine oder andere Neuerwerbung scharf gemacht. Anschließend wechselten wir die Aufgabengebiete und Gregor erledigte noch ein paar Kleinigkeiten. Leider fortan mit nassen, kalten Füssen! Pünktlich um 8.30 Uhr erfolgte das Startsignal.
Hier bleibt ein kritisches Momentum noch erwähnenswert. Ein großer Teil der Boote sammelte sich in der Nähe der Wettkampfplätze. Der Start hatte nichts von der Dynamik des vergleichbaren Vorgangs auf der Lek. Vielmehr fand man bei der Ankunft schon viele angelnde Boote vor. Das finde ich natürlich nicht wirklich prickelig.

Sonnenaufgang am Gooimeer

Die Boote standen vor dem Start überall verteilt auf dem Wasser

Vor dem Start... Überall verteilt standen die Boote

Die Boote vom ASB-Tackle Team

Tott und Isi von ASB-Tackle

  

Wettkampf

Das Gewässer ist sehr groß. Es gibt mit bloßem Auge über der Wasseroberfläche keinerlei Hinweise für interessante Strukturen mit Ausnahme anderer angelnder Boote. Die Fahrrinne war für den Wettkampf ja ausgeschlossen! Kausal besteht also die erste Aufgabe des Anglers darin erstmal interessante Unterwasserstrukturen zu finden. Hier ist die hydrographische Karte unseres Echolotes das wichtigste Werkzeug, da es Untiefen anzeigt und somit strukturelle Veränderungen des Gewässergrundes. Im aktuellen Wettkampfparkur gibt es, Stand unseres bisherigen Wissens, nur wenige interessante Stellen. Es sei nochmal für Außenstehende mit Nachdruck darauf hingewiesen, das es sich um einen zeitlich sehr begrenzten Wettkampf handelt, bei dem Organisation, Zeitmanagement und nasse Schnüre dominate Konstanten darstellen.

Recht schnell ist es uns gelungen, Dank dieser Vorgehensweise, in den Wettkampf einzusteigen. Nach 15 Minuten konnten wir drei massige Fische verhaften. Anschließend war vorerst Totentanz angesagt und es musste gesucht werden.

Dennoch tat sich kein Köder auf, außer in der ersten halben Stunde, der nachhaltig das Interesse des Fisches fand. Es stand nur relativ schnell fest, dass es kein Druckköder sein durfte. Einzige Ausnahme des Tages war ein Schaufelschwanz-Shad aus Japan, der an meiner toten Rute geschliffen einen 37 cm und daher leider untermassigen Abnehmer fand. Ansonsten musste es No-Action sein.

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. Wir hatten 15 Fische erangelt, wovon lediglich 6 maßig waren. Einen Fisch hatte man uns nicht gewertet, da er leider im Livewell vor dem Eintreffen des Kontrollbootes verstorben war. Es machte uns auch nicht wirklich Spaß sich durch den Kindergarten zu angeln und somit wird das sicherlich auch nicht unser Lieblingsgewässer.

Auf Naturköder haben wir lediglich einen Fisch gefangen. Der Rest ging durchweg auf Kunstköder. Der Tag war für aktive Angler kein Zuckerschlecken. Weder die schnelle noch die langsame Präsentation, sämtliche Führungsstile und einiges an Köderversuchen brachten kein nachhaltiges Ergebnis.

Auch größere Köder selektierten nicht wirklich. 35- 37 cm Spritzer auf 15 cm Shads belegen das eindrucksvoll.

Am Ende hatten die stationären Posenangler den Wettbewerb dominiert. Diese hatten durchweg Frequenz und die meisten guten Fische. Das zeigt im Rückschluss aber auch, wie viel Gewässerkenntnis und gute Informationskontakte (Netzwerk) diese Teilnehmer haben müssen, da diese Methode m. E. lediglich temporär die entscheidende Waffe war und nicht für das ganze Jahr herhalten kann. Hier ist ja vor allem Luc Coppens, zweimaliger NKS-Gewinner, zu erwähnen, der in dieser Disziplin ein wahrer Meister ist. Beim Trainingsfischen im Vorfeld hatte er das ja schon angedeutet und er hat sich ja auch letztendlich sehr gut platziert. Die Fische wollten also den unbewegten, am Boden liegenden Naturköder.

Mit unserer Platzierung im Mittelfeld von 70 teilnehmenden Booten kann ich persönlich gut leben. Wie ich bereits im letzten Wettkampfartikel ausgeführt habe, nehmen wir dieses Jahr lediglich als Trainingslauf mit, um die Gewässer wenigstens einmal befischt zu haben.

  

Analyse/Nachbetrachtung

Ehrlich gesagt, waren wir im Anschluss an diesen Wettkampf etwas konsterniert. Wenn man die Ergebnisse richtig deutet, muss man daraus folgende Schlüsse ziehen:

a) Will man zu dieser Jahreszeit erfolgreich solch einen Wettkampf bestreiten, kommt man um das Posenangeln nicht herum. Ob ich wirklich Bock darauf habe intensiv in diese Materie einzusteigen, kann ich Stand heute noch nicht positiv bestätigen. Ehrfürchtig muss ich eingestehen, da ich die Materie „Posenangeln im Wettkampf“ alles andere als unterschätze, das uns da als Nicht-Berufsangler einfach die hierfür notwendigen Zeitpontentiale fehlen.

b) Ein funktionierendes Netzwerk, wie es die belgischen Teilnehmer vorleben, ist für das erfolgreiche Wettangeln unerlässlich. Woher sonst soll man z. B. wissen, wann der Stint konkret und nicht nur vermutet in ein Gewässer eingezogen ist. Es gibt eine Menge dieser Informationen die wettkampfentscheidend sind und man muss neidlos anerkennen, dass die Belgier das sehr gut hinbekommen haben. Ob das unter deutschen Teilnehmern auch funktionieren kann, bleibt abzuwarten. Eine Art „Teamgefühl“ ist jedenfalls bislang unter den deutschen Booten noch nicht aufgekommen.

c) Man müsste genau diesen Wettkampfparkur noch rund zehnmal nachfischen und interessante Strukturen sowie das Verhaltensmuster der Fische in Zusammenhang mit einigen anderen Faktoren herausarbeiten.

Die Slippe am Gooimeer war durch die NKS gut besucht

Die Boote warten auf das Ausslippen

Die Platzierungen für den Wettkampf findet man wie immer auf der NKS-Homepage.

6 Gedanken zu „NKS-Wettkampf, Gooimeer, 03.10.2010

  1. Guten Morgen Jungs,

    danke für die Eindrücke aus dem Wettkampf und weiterhin tight lines!

  2. Hallo Rene,erstmal ein lob an dich für deine bemerkenswerten analysen über die beiden NKS Wettkämpfe Lek und Goimeer,das ich genauso sehe wie du aber bei einem Punkt nicht deiner Meinung bin und zwar wie du über das „Teamgefühl“ redest,erstens fischen die Kollegen aus Belgien schon etliche Jahre bei der NKS und sehen sich dadurch auch viel öfters ,die deutschen sind gerademal mit max.8 Teams am Start wo soll da ein Netzwerk funktionieren aber ich bin zuversichtlich das das in Zukunft klappen wird denn aus unserer sicht (ASB Team)wird es da keine Probleme geben.

    Gruß Juppes NKS Teilnehmer

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