Informationen und Annahmen zur Trommelsucht bei Zandern & Co

 

Symptome für Trommelsucht sind hervorstehende Murmelaugen, aus dem Fischmaul heraus quellender Magensack und wahrscheinlich noch weitere innere Veränderungen. Sucht man im Internet nach Informationen zum Thema Trommelsucht bei Zander & Co, findet man dort leider ziemlich wenig Brauchbares.

 

Aber fangen wir mal ganz anders an....

„Wie tief angelt ihr den maximal?“ ist eine der wohl am häufigsten gestellten Fragen unter Vertikalanglern. Sicher, im Sommer ist das kein Thema aber beim winterlichen Vertikalangeln und bei eisigen Temperaturen sind immer wieder mal Zander und Barsche dabei, die Symptome der Trommelsucht aufweisen. Auch, wenn man nur bis maximal bis 15 m Tiefe angelt oder flacher. Nicht jeder Tag ist gleich. Während man an einem Tag schon betroffene Fische ab 10 m Wassertiefe dabei hat, sind an anderen Tagen keinerlei Symptome, auch bei in 15 m tiefem Wasser gefangenen Zander und Barschen zu erkennen. Vermutlich ist das mit von der Luft- und Wassertemperatur sowie vom jeweiligen Luftdruck abhängig. Auf der anderen Seite kann es natürlich auch sein, das der gefangene Zander vorher aus noch tieferen Gewässerbereichen in flachere Bereiche gezogen ist.
Egal wen man fragt, wir angeln nur bis 12 oder bis 15 m ist häufig die Antwort. Nähert man sich dann so manchem Angelboot unverhofft, hab ich oft das Gefühl mein Echolot ist defekt. Beim Heranfahren an diese Boote kommen dann oft so Äußerungen wie „Ich bin ein wenig über die Kante gerutscht„ oder „Ich kenn mich hier gar nicht so gut aus, ich muss erst mal die Bodenstruktur kennen lernen„ oder „Flacher geht heute gar nichts...“

Ah ja, ne ist klar !

Aber wollen wir doch mal ehrlich sein. Wenn wir an unserem sehnlichst erwarteten Wochenendangeltag nach 2 Stunden intensivsten Fischen auf 12 –15 m nicht die gewünschten Resultate erhalten, rutschen wir doch alle ein wenig über die Kante, oder ?

Nur, eines sollten wir uns dabei vor Augen führen. Zander und Barsche, die aus tieferen Gewässerbereichen schnell hochgepumpt werden und dann die oben beschriebenen Symptome zeigen, sind meiner Meinung nach dem Tode geweiht. Es macht sicherlich keinen Sinn, solche Fische zu releasen. Ich will jetzt sicherlich keinen dieser "Kormorane in Menschengestalt" dazu bestärken, noch mehr Fische dem Gewässer zu entnehmen, als sie eh schon tun. Vielleicht kann man ja selbst diese Leute durch Aufklärung zum Umdenken bewegen.

Ich würde gerne eine wenig mehr Licht ins Dunkel bekommen, auch wenn bestimmte Leute, die anscheinend eine Menge Geld mit dem Raubfischangeln verdienen, bei diesem Thema immer wieder versuchen mit Absicht das Licht auszuknipsen!

Neulich war ich in meinem Angelladen und bekam mit, wie ein Vertikalneueinsteiger von einem in 28 m gefangenen Zander berichtete, der natürlich die beschriebenen Symptome aufwies und weil der Kollege kein Kostverächter ist, hat er sich natürlich aufgeopfert und den Fisch mitgenommen. Na ja, besser als den Fisch zurück zu setzen und dieser wäre dann qualvoll verendet. Jedenfalls kamen wir ins Gespräch und der Kollege hatte keine Ahnung , was er da denn eigentlich gemacht hat. Zu seiner Verteidigung sagte er dann auch noch, das einige Raubfischprofis das ja in ihren Filmen vorleben würden und somit ja als normal anzusehen ist. Der Herr So..und..so macht das und das kann ja nicht falsch sein und der Herr Namen.habe..ich...vergessen sagt: Da machen wir einen Magenstich, drücken den Magensack zurück und alles wird gut.

Sorry, aber das machen es sich manche Leute wirklich ein wenig zu einfach.

Was passiert denn wirklich, wenn wir einen Zander aus z. B. 28 m hochpumpen? Meiner Meinung nach passiert folgendes: Aufgrund des für den Zander innerhalb dieser kurzer Zeit nicht durchzuführenden Druckausgleichs und das sind immerhin bei 28 m Wassertiefe knapp 3 Bar Unterschied zur Gewässeroberfläche, (siehe hierzu * unten), erhöht sich das Volumen der Schwimmblase um ein Vielfaches beim zu schnellen auftauchen, die Schwimmblase platzt und die sich ausdehnende Luft drückt den Magensack aus dem Zandermaul heraus. In Extremfällen ist der Fisch noch nicht in Sichtweite, da erscheinen bereits in unmittelbarer Schnurnähe hochsteigende Luftblasen. Bei diesem betroffenen Fisch dann einen Magensackstich zu vollführen, führt dann lediglich zum Entweichen der angestauten Luft.

Die beschrieben Probleme hat sicherlich jeder Vertikalangler hin und wieder. Hin und wieder haben auch wir dieses Problem. Solche Fische werden bei uns sofort waidgerecht getötet und der Verwertung zugeführt. Alles andere wäre unnötige Tierquälerei. Solche Fische zu releasen ist meiner Meinung nach Heuchelei!

Wenn wir so einen Fisch mitnehmen müssen, wird dieser bei der Verwertung immer sorgfältigst untersucht. Beim Filetieren fällt direkt auf, dass das Fischfleisch mit schaumartigen Blut gefüllt ist. Bei weiterer Betrachtung der inneren Organe fällt auf, das diese oftmals Schaden in Form von Auflösungserscheinungen davongetragen haben.

Ok, manche Leute behaupten, das sich derart zurückgesetzte Fische wieder erholen. Niederländische Freunde haben das Experiment gemacht, derartig verletzte Zander mit Bojen vor dem Releasen zu versehen. Als nach dem Releasen 5 Stunden vergangen waren, wurde überprüft. Alle Zander waren zwischenzeitlich verendet!

Nun will ich diese Angelmethode nicht schlecht reden. Vielmehr möchte ich zum Nachdenken über unser Tun anregen.

Folgende Tipps um dieses Problem beim winterlichen Vertikalangeln auf ein Minimum zu reduzieren:

1. Flacher angeln als bisher (max. 15 m bzw. noch flacher), auch wenn in den flacheren Bereichen weniger Fische stehen!


2. Sich beim Drill, auch in flachen Gewässern, sehr viel Zeit lassen. Wenn der Fisch abspringt, na und! Den Fisch wollten wir doch eh releasen!


3. Sollte es notwendig sein tiefer als 15 m zu angeln, um Zander und Co. zu fangen, sollte man keinen Angstdrilling verwenden und den Widerhaken andrücken. Man kann den Fisch dann gezielt aussteigen lassen. In 9 von 10 Fällen funktioniert das problemlos!


4. Wir müssen einfach umdenken! Ich muss nicht jeden Fisch sehen. Die größte Kunst liegt meiner Meinung doch im Finden und Überlisten der Zander. Der Drill bei nicht kapitalen Fischen ist im Winter doch eh unspektakulär!


Es gibt niederländische Kollegen, die sogar den Haken kurz über dem Shad abkneifen. Ich wunder mich jedes mal, wie lange die Zander am Köder trotzdem festhalten.


Also, Catch and Release, not always sondern nur, wenn es wirklich Sinn macht. Damit wir in Zukunft möglichst viele Fische releasen können, sollten wir umdenken und handeln!

Bemerkungen: Sollten Ihnen fundierte Studienergebnisse vorliegen, die oben aufgeführten Informationen und Annahmen bestätigen oder auch widerlegen, wären wir Ihnen sehr dankbar, wenn Sie uns die Quelle mitteilen bzw. uns die Ergebnisse zur Veröffentlichung auf unserer Internetseite zur Verfügung stellen.

 

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Auf dem Wasser lastet in jedem Fall noch zusätzlich der Luftdruck. Für die Berechnung des Druckes in einer bestimmten Wassertiefe müssen wir den Luftdruck und den Wasserdruck addieren!
Das Ergebnis wird als Druck absolut oder bar absolutbezeichnet
Beispiel:
in 00 m Wassertiefe 1 bar (Meereshöhe)
in 10 m Wassertiefe 2 bar
in 30 m Wassertiefe 4 bar
in 50 m Wassertiefe 6 barDer Druck erhöht sich also pro 10 m Wassertiefe um 1 bar.